Packen wir die Herausforderungen an der Wurzel an!

Funktioniert unser Körper nicht so wie er sollte, behandeln wir allzu oft nur die Symptome und nicht die wirklichen Auslöser. Auch in  der Unternehmensführung kommt es oft vor, dass bei krankenden Betrieben zuerst die Symptome behandelt werden und nicht die Ursachen bzw. die Auslöser eines Problems.
Unternehmen sind lebende Systeme, die sich in einem sich ständig weiterentwickelnden Markt bewegen und von vielen Seiten beeinflusst werden (Kunden, Mitbewerber, Gesetzgeber, Lieferanten, Mitarbeiter, usw.). Diese Realität macht es verständlich, dass für einen nicht rund laufenden Betrieb oft mehrere Auslöser verantwortlich sind.

Hier möchte ich nur einige aus meiner Sicht wichtige Themen nennen, die keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, jedoch aus der Betrachtung von vielen Südtiroler Betrieben wichtige Auslöser für Schwierigkeiten darstellen.

Ein erstes wichtiges Thema ist die Bewertung der Ressourcen. Die Handwerker stellen viel Wissen, Zeit, handwerkliche Fertigkeiten, Infrastrukturen, Maschinen, Geräte, Rohstoffe und Hilfsstoffe dem Markt zur Verfügung. Sie erzeugen Produkte und Dienstleistungen in ihren Werkstätten und auf den Baustellen - nur, werden Sie dafür auch nach Ihren Aufwänden entlohnt?
Die Bewertung der Arbeitsausführung findet in der Kalkulation statt! Werden bereits dort nicht die richtigen monetären Werte für Stundensätze und Aufschläge eingesetzt, merkt dies der Handwerker erst verzögert in seiner Bilanz bzw. auf seinem Bankkonto -  also wenn es bereits zu spät ist.
Die Südtiroler Betriebe haben sich, was ihre handwerklichen Fähigkeiten betrifft, sehr viel Wissen und Know-How angeeignet. Jedoch sehe ich Schwächen in der ökonomischen Bewertung dieser Leistungserbringung.
In der Kostenrechnung (Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, Kostenträgerrechnung) gilt es bei den Betrieben und im Besonderen bei den Unternehmern, mehr Wissen aufzubauen, um präziser und zeitnaher die Bewertung ihrer Leistungen zu erzielen.

Im Besonderen gilt dies für auftragsbezogene Einzelfertiger, also viele Handwerker, die in der Planung sehr exakt arbeiten müssen, um nicht bei einzelnen Aufträgen Geld zu verlieren und somit dem eigenen Betrieb einen wirtschaftlichen Schaden zufügen. Im Zusammenhang damit steht auch die negative Beschleunigung der Preisspirale am Markt, die durch zu niedrige Preise den massiven Preiskampf anheizt und somit das gesamte Gewerbe negativ beeinflusst.

Die Symptome(Folgen) dieser nicht exakten Bewertung von Ressourcen in der Kalkulation sind also Liquiditätsschwierigkeiten und schlechte Betriebsergebnisse. Die Ursachen dafür sind nicht ausreichend genaue und nicht zeitgerechte Informationen aus der Kostenrechnung und der Kalkulation.
Schlecht beraten sind die Unternehmer hier, wenn sie die Auslöser für die schlechten Ergebnisse bei externen Faktoren suchen, selbst aber ihre Arbeit ungenau bewerten und nicht schnell und agil genug auf die Herausforderungen des Marktes Maßnahmen ergreifen.

Handwerklich sind unsere Betriebe sicherlich Spitzenklasse, was uns ja die Ergebnisse an den Berufsweltmeisterschaften immer eindrücklich beweisen.
Sind wir aber auch Spitzenklasse, wenn es darum geht, den Markt zu finden, der bereit ist, diese Spitzenklasse gerecht zu entlohnen oder suchen unsere Betriebe ihr vermeintliches Glück im Preiskampf sobald sie auf mehrere Mitbewerber treffen?

Kennen die Unternehmer die Preisuntergrenzen ihrer Leistungen oder führt die Nichtkenntnis dazu, dass sie sich an Mitbewerbern oder Richtwerten orientieren, die nichts mit ihren betriebsinternen Selbstkosten zu tun haben?
Die Orientierung am Markt ist zwar notwendig, kann jedoch nicht Ersatz für die Selbstkostenermittlung sein. Unternehmer, die ihre Selbstkosten nicht präzise und zeitnah ermitteln, handeln fahrlässig und gefährden die Existenz des Betriebes. Besonders in einem kleinen Markt wie Südtirol ist die gegenseitige Beeinflussung ein Fakt. Zu diesem Thema bieten wir den Handwerkern an, die Herausforderungen an der Wurzel anzupacken und in Zusammenarbeit mit dem LVH die Bewältigung dieses Defizites zu erarbeiten!

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